In einer kleinen hessischen Stadt an der Mündung des Mains arbeitet ein verschworenes Häuflein Ingenieure und Designer emsiger denn je. Sie entwickeln gute Autos – und reden darüber. Und zwar in Form eines Internet-Tagebuchs, neudeutsch Weblog oder kurz Blog.
Jetzt ist mit dem Sports Tourer die dritte Insignia-Version auf dem Markt. Ein guter Zeitpunkt, etwas Neues anzupacken. Die nächste Astra-Generation steht in den Startblöcken – und wieder hat sich ein Experten-Grüppchen gefunden, das uns via Blog an der finalen Entwicklungsphase teilhaben lässt.
Vor dem Rüsselsheimer Adam-Opel-Haus war der Moderator in diesen Tagen Zeuge eines besonderen bloghistorischen Moments: Alex Regné Gläser, Insignia-Blogger der ersten Stunde, überreichte seine magische Tastatur an Uwe Müller (im Foto rechts), der damit gleich den ersten Beitrag im Astra-Blog verfasste. Der neue Blog hat ein neues Layout (Uwe ist Designer, der mag es gerne etwas schicker) orientiert sich aber ansonsten am bewährten Konzept.
Wäre schön, wenn uns die Freunde des Insignia-Blogs, dessen Kommentarfunktion nun nach über 3.000 Einträgen geschlossen wird, gewogen bleiben und auch mal beim neuen Astra-Blog vorbeischauen.
Was steckt eigentlich hinter dem Fahrspaß-Potenzial unseres Allradantriebs und wie sind solche Vergleichstest-Ergebnisse technisch möglich?
Der Clou der Allrad-Technologie im Insignia 4×4 ist die elektronisch geregelte Mitten- und Hinterachsdifferentialsperre. Innerhalb eines breiten Spektrums erlaubt diese Konfiguration die bedarfsgerechte Momentenverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse sowie zusätzlich zwischen den beiden Hinterachsrädern. Im Gegensatz zu vielen sonst üblichen Allrad-Systemen wirkt die Momentenregelung auch völlig unabhängig vom Radschlupf. So konnten wir bei der Auslegung des Systems den Aspekt Fahrdynamik stark gewichten.
Die beiden Sperren werden per Öldruck betätigt. Die Steuerung der Hydraulikpumpe innerhalb von Sekundenbruchteilen erfolgt in Abstimmung mit allen relevanten Sensoren und mit dem ESP-Steuergerät. Das Allradsystem ist auf diese Weise voll in die Regellogik des FlexRide-Fahrwerks integriert.
Wie sich über diese Allrad-Regelung der Charakter eines Autos formen lässt, kann man besonders eindrucksvoll im Sport-Modus erleben. Dann wird tendenziell mehr Moment zur Hinterachse geleitet und somit ein Fahrverhalten erzeugt, das stark an einen Hecktriebler erinnert – natürlich mit viel mehr Sicherheitsreserven und besserer Traktion als bei reinem Heckantrieb.
So so, der Insignia 4×4 setzt sich also in den Medien gegen weit potentere Allradler durch und die Tester sind überrascht. Die „sport auto“ schreibt vom „Hessen-Express“ mit 220 Turbo-PS, der bei den Fahrdynamik-Prüfungen auf dem finnischen Snow Rallye Ring auftrumpft. Im Slalom ist der Insignia „schneller und souveräner“ als die zwischen 272 und 360 PS starken Mitstreiter. Im spaßgeprägten Beitrag von „kabel eins“, den „iopa“ beigesteuert hat, hilft am Albula-Pass auch kein 500 PS-V12 gegen den Insignia.
Auch wir Ingenieure freuen uns natürlich darüber. So richtig erstaunlich finden wir derlei Ergebnisse allerdings nicht. Wir sind schließlich schon während der Entwicklung Vergleiche mit solchen und ähnlichen Produkten der Wettbewerber gefahren. Dabei konnten wir sehen und messen, dass der Insignia dank seiner Allrad-Technologie ganz oben mitmischt.
Wir sind momentan in Arjeplog am Polarkreis – unter anderem mit dem Sports Tourer 4×4. Dabei zeigt sich wieder: Das Auto macht unheimlich Laune, auch und gerade auf Schnee und Eis. Dies als Folge der hervorragenden Stabilität in Kurven und Spurwechselsituationen in Kombination mit dem sehr guten, neutralen Lenkverhalten. Dazu kommt die auch für uns manchmal unglaubliche Steigfähigkeit. So fühle ich mich immer als „Herr der Lage“, weil alle Fahrmanöver, die ich einleite, präzise umgesetzt werden.
Der Moderator hat mich gefragt, ob ich – einem Wunsch folgend, der hier im Blog geäußert wurde – etwas zur Design-Entstehung sagen kann. Mache ich gerne.
Die Geschichte beginnt im Jahr 2003. Da zeigte Opel auf der IAA in Frankfurt ein Concept Car namens Insignia. Dieses Fahrzeug stellte einige grundlegende Merkmale zur Schau, die sich heute am Serienauto wiederfinden – siehe Front, Schulter und die an ein Coupé erinnernde Dachlinie. Allerdings war das Konzeptauto etwas zu groß geraten, weshalb wir uns in der Folge auf kompaktere Formen konzentrierten. Mehr als 500 Design-Sketches entstanden, ehe wir uns auf den Insignia-Stil festlegten.
Die hier abgebildete Seitenansicht zeichneten wir bereits Ende 2003 – es war einer der Entwürfe, die uns wirklich weiterbrachten. Hier ist bereits die charakteristische Seitenlinie zu sehen. Als 2007 dann der Opel GTC Concept Messepremiere hatte, war das Insignia-Design bereits festgeklopft. Das Besucher- und Medienecho gab uns damals die Gewissheit, dass wir mit unserem Konzept richtig liegen.
Was uns bei der „Jungfernfahrt“ mit dem ersten Insignia ecoFLEX noch aufgefallen ist: Die von den Marketing-Kollegen „CleanTech“ genannte neuartige Verbrennungstechnik (Closed-Loop-Verfahren) senkt nicht nur den Verbrauch, sondern sie verbessert subjektiv auch das Geräuschverhalten. Der Motor klingt tatsächlich angenehmer.
Diesen Effekt verstärke ich natürlich, wenn ich konsequent der Schaltempfehlung folge. Sobald ich per Hochschalten das Drehzahlniveau senken kann, ohne Schwung zu verlieren, erscheint ein Pfeil im Display zwischen den Hauptinstrumenten (siehe Video). Ein ganz dezenter Helfer, der ohne Lichterkette, Pieptöne und sonstigen Schnickschnack auskommt.
Und was das Ansprechverhalten angeht: Die längere Achsübersetzung ist angesichts der hier wirksamen Drehmomentkurve kein Problem. In der Praxis erreiche ich im sechsten Gang hohe Geschwindigkeiten bei recht niedrigen Drehzahlen und habe immer noch Beschleunigungsreserven – die ideale Charakteristik eines Langstreckenautos.
Nach dem Insignia ecoFLEX wurde in den vergangenen Wochen ja schon intensiv gefragt. Umso mehr freue ich mich, jetzt von meiner „Jungfernfahrt“ mit dem ersten Vorserien-Exemplar berichten zu können. Die verlief nämlich sehr positiv. Unser technisches Maßnahmenpaket zahlt sich offensichtlich aus, der Kraftstoffverbrauch sinkt signifikant.
Und das nicht nur theoretisch unter Laborbedingungen, sondern ganz praktisch auf der Straße im Serientrim. Wir waren zu viert in der Stufenheck-Limousine unterwegs, allerdings hauptsächlich auf Autobahn oder Landstraße und wegen Dauerregens in recht moderatem Tempo. Obwohl das Auto noch nicht richtig eingefahren war – Tachostand bei Wagenübernahme: 70 Kilometer – registrierten wir durchschnittlich 5,4 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Wohlgemerkt: Das war keine echte Messfahrt und das ist kein Homologationswert. Trotzdem nicht schlecht für eine voll ausgestattete Limousine mit 160 PS und 350 Nm Drehmoment.
Sonne satt im Süden Spaniens = Superfotos vom Sports Tourer – so die Gleichung unseres Pressefoto-Teams. Zunächst aber fehlte der Sonnenfaktor. Stattdessen hieß es, vor der Brandung die Flucht zu ergreifen – mit durchaus interessanten Bild-Ergebnissen.
P.S.: Danke für die Anregungen, dem designierten Pressebild in „Die perfekte Welle“ eine zweite Karriere zu ermöglichen. Das Wallpaper ist in Arbeit und wird bald zur Verfügung stehen. Bis dahin nehmen wir weitere Wünsche bezüglich der Bildschirmformate (in Pixel) entgegen.
Die offizielle Vorstellung des Insignia Sports Tourer steht im März bevor. Für richtig gute Fotos machte sich das Team der Presseabteilung auf in den Süden Spaniens, um das Auto in allen Details abzulichten. Nur dort, so hatten die Wetter-Scouts gemeldet, gab es in diesen winterlichen Tagen die Chance auf ein stabiles Hoch.
Ehe jedoch die Sonne so richtig vom Himmel strahlte, mussten sich die Kollegen mit Sturmböen herumschlagen. Diese brachten nicht nur die Palmen, sondern auch die Kameras zum Wackeln. Als an der Küste fotografiert wurde, setzte sich prompt das Meer in Szene: Hinter dem Sports Tourer türmten sich die Wellen so hoch auf, dass selbst unsere sturmerprobten Foto-Experten bald die Flucht ergreifen mussten.
Jetzt haben wir im Werk nach Limousine und Fließheck auch die dritte Karosserievariante in der Fertigung – den Sports Tourer. Damit können wir auch gerne der Bitte einiger Blog-Leser nachkommen, die Produktionsfotos vom neuen Auto sehen wollten. So lässt sich wohl die Wartezeit auf den bestellten Sports Tourer angenehm verkürzen. Zu sehen ist auf den Bildern der Einbau der zusätzlichen Heckleuchten (sicherheitsrelevant, weil die „richtigen“ Leuchten in der Heckklappe installiert sind) sowie der Abschlusscheck vor dem Bandablauf. Dazu die finale Inspektion mit Sichtprüfung des Unterbodens und der Moment der Bandabfahrt. Letzte Woche haben wir 550 Sports Tourer gebaut, in dieser Woche dürften wir bereits rund 1.000 erreichen. Damit sind wir unseren Zielen voraus und sollten kein Problem haben, bis zur Premiere am 14. März alle Händler mit Fahrzeugen zu bestücken.