So so, der Insignia 4×4 setzt sich also in den Medien gegen weit potentere Allradler durch und die Tester sind überrascht. Die „sport auto“ schreibt vom „Hessen-Express“ mit 220 Turbo-PS, der bei den Fahrdynamik-Prüfungen auf dem finnischen Snow Rallye Ring auftrumpft. Im Slalom ist der Insignia „schneller und souveräner“ als die zwischen 272 und 360 PS starken Mitstreiter. Im spaßgeprägten Beitrag von „kabel eins“, den „iopa“ beigesteuert hat, hilft am Albula-Pass auch kein 500 PS-V12 gegen den Insignia.
Auch wir Ingenieure freuen uns natürlich darüber. So richtig erstaunlich finden wir derlei Ergebnisse allerdings nicht. Wir sind schließlich schon während der Entwicklung Vergleiche mit solchen und ähnlichen Produkten der Wettbewerber gefahren. Dabei konnten wir sehen und messen, dass der Insignia dank seiner Allrad-Technologie ganz oben mitmischt.
Wir sind momentan in Arjeplog am Polarkreis – unter anderem mit dem Sports Tourer 4×4. Dabei zeigt sich wieder: Das Auto macht unheimlich Laune, auch und gerade auf Schnee und Eis. Dies als Folge der hervorragenden Stabilität in Kurven und Spurwechselsituationen in Kombination mit dem sehr guten, neutralen Lenkverhalten. Dazu kommt die auch für uns manchmal unglaubliche Steigfähigkeit. So fühle ich mich immer als „Herr der Lage“, weil alle Fahrmanöver, die ich einleite, präzise umgesetzt werden.
Was uns bei der „Jungfernfahrt“ mit dem ersten Insignia ecoFLEX noch aufgefallen ist: Die von den Marketing-Kollegen „CleanTech“ genannte neuartige Verbrennungstechnik (Closed-Loop-Verfahren) senkt nicht nur den Verbrauch, sondern sie verbessert subjektiv auch das Geräuschverhalten. Der Motor klingt tatsächlich angenehmer.
Diesen Effekt verstärke ich natürlich, wenn ich konsequent der Schaltempfehlung folge. Sobald ich per Hochschalten das Drehzahlniveau senken kann, ohne Schwung zu verlieren, erscheint ein Pfeil im Display zwischen den Hauptinstrumenten (siehe Video). Ein ganz dezenter Helfer, der ohne Lichterkette, Pieptöne und sonstigen Schnickschnack auskommt.
Und was das Ansprechverhalten angeht: Die längere Achsübersetzung ist angesichts der hier wirksamen Drehmomentkurve kein Problem. In der Praxis erreiche ich im sechsten Gang hohe Geschwindigkeiten bei recht niedrigen Drehzahlen und habe immer noch Beschleunigungsreserven – die ideale Charakteristik eines Langstreckenautos.
Nach dem Insignia ecoFLEX wurde in den vergangenen Wochen ja schon intensiv gefragt. Umso mehr freue ich mich, jetzt von meiner „Jungfernfahrt“ mit dem ersten Vorserien-Exemplar berichten zu können. Die verlief nämlich sehr positiv. Unser technisches Maßnahmenpaket zahlt sich offensichtlich aus, der Kraftstoffverbrauch sinkt signifikant.
Und das nicht nur theoretisch unter Laborbedingungen, sondern ganz praktisch auf der Straße im Serientrim. Wir waren zu viert in der Stufenheck-Limousine unterwegs, allerdings hauptsächlich auf Autobahn oder Landstraße und wegen Dauerregens in recht moderatem Tempo. Obwohl das Auto noch nicht richtig eingefahren war – Tachostand bei Wagenübernahme: 70 Kilometer – registrierten wir durchschnittlich 5,4 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Wohlgemerkt: Das war keine echte Messfahrt und das ist kein Homologationswert. Trotzdem nicht schlecht für eine voll ausgestattete Limousine mit 160 PS und 350 Nm Drehmoment.
Selbst Kollegen aus anderen Abteilungen fragen mich ab und zu: „Was hast du denn eigentlich noch mit dem Insignia zu schaffen? Das Auto ist doch jetzt fertig!“ Nun ja, stimmt schon, aber die Entwicklung ist eben noch nicht komplett abgeschlossen. Auf der einen Seite erproben wir weitere Motor-/Getriebevarianten und zum anderen wird kontinuierlich optimiert und validiert. So wissen wir jetzt, dass die Verbrauchsdaten für die Limousine mit 1.6, 1.8 und 2.0 Turbo um 0,1 Liter/100km besser sind, dementsprechend die CO2-Werte. Wir sind aber erst dann sicher, wenn eine größere Menge an Produktionsfahrzeugen streuungsbereinigt gemessen wurde.
Kürzlich haben wir hinter die Typprüfung des neuen 1,6-Liter-Turbobenziners, der ab März verfügbar ist, den letzten Haken gemacht. Trotz der strengen Euro 5-Emissionsrichtlinien schafft dieser Motor eine tolle Balance zwischen Leistung und Wirtschaftlichkeit. Bei gleichem Verbrauch (7,7 l/100km) wie der 1,8-Liter-Sauger und sogar leicht reduziertem CO2-Ausstoß (181 g/km) ermöglicht der 1.6 Turbo 225 km/h und nur 8.9 Sekunden von 0 auf 100. In meinen Augen ein bemerkenswertes Insignia-Aggregat – und das bei relativ günstigen Anschaffungskosten.
Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und auf der Rückblick-Hitliste des Blog-Teams steht unser Dudenhofen-Besuch ganz oben. Dr. Matthias Schollmaier, Leiter des Testzentrums, bemächtigte sich dabei unseres mitgebrachten Turbo-Allradlers.
Der Fahrwerkexperte wollte mal kurz prüfen, ob sich die Rundenzeiten auf der Handlingstrecke mit vier angetriebenen Rädern tatsächlich noch verbessern lassen. Sie waren besser. Und wir haben es per Video festgehalten.
Wie bereits berichtet, hat sich das Opel Eye als Hinweisgeber auf geänderte Tempolimits bewährt, Stichwort: Verkehrszeichenerkennung. Bei der 100-Prozent-Fahrt mit dem Sports Tourer habe ich jetzt mal die zweite Systemfunktion gecheckt: den Spurhalteassistenten.
Per Knopfdruck aktiviert, untersucht er ab Tempo 50 das Kamerabild auf Fahrbahnmarkierungen. Spezielle Algorithmen erkennen Strich- und Längsstrukturen. Das System meldet sich nur in Gefahrensituationen, indem es Lenkbewegungen und Blinkerbetätigung in seine Berechnungen mit einbezieht. Fährt das Auto über eine Markierungslinie, leuchtet das Spurhalte-Symbol im Drehzahlmesser rot auf. Dazu gibt es einen Warnton – spätestens der schreckt jeden Sekundenschläfer auf. Schön, dass man die Funktion auch nur so mal testen kann. Einschlafen auf Kommando zählt zum Glück nicht zu den Aufgaben eines Testfahrers…
Die 100-Prozent-Fahrt führte uns durch den historischen Ortskern von Hildrizhausen. Die denkmalgeschützten Fachwerkhäuser bildeten eine tolle Kulisse für unsere moderne Insignia Sports Tourer-Flotte. Schließlich ging es über Freudenstadt und Heidelberg zurück nach Rüsselsheim. Damit endet meine kleine Video-Doku.
Klar, dass unsere Sports Tourer-Kolonne während der 100-Prozent-Fahrt einiges Aufsehen erregte.
Der Unbekannte im roten Pulli ließ es sich nicht nehmen, den Opel-Tross zu fotografieren und die Fahrer zu interviewen – war selbst allerdings etwas kamerascheu.
Ein Highlight des Insignia Sports Tourer ist das Panoramadach. Gerade bei bewölktem Himmel, wie an diesem Tag, ist es ein tolles Gefühl, unter freiem Himmel zu sitzen, das aber mit Dach über dem Kopf und behaglich warm.
Es ist geschafft: Der Insignia Sports Tourer hat die 100-Prozent-Fahrt souverän bewältigt.
Mit fünf Testwagen fuhren wir von Rüsselsheim in den Schwarzwald und zurück. Unser Augenmerk lag vor allem auf den Kriterien Geräuschkulisse, Fahrdynamik und -stabilität – und natürlich der einwandfreien Funktion der Heckklappe.