Auf dem Dolomiten-Gipfel
Alex Regné Gläser - Montag, 02.06.2008
Starker Schneefall beim Stopp auf dem Sass Pordoi. Wir warten auf die Cappuccino-Trinker…
Starker Schneefall beim Stopp auf dem Sass Pordoi. Wir warten auf die Cappuccino-Trinker…
Morgenappell an den Fahrzeugen vor dem Berghotel – 1.660 Meter über Normalnull, +3 Grad Celsius im Regen. Einige in unserer Gruppe freuen sich über die guten Testbedingungen für ESP oder die Traktionskontrolle. Und es kommt, so gesehen, noch besser: Den ersten Pass rauf – 0 Grad und Schneefall. Zwei Fahrer genießen den Allradantrieb.
Auf dem Pass dann Pinkelpause. Bei einigen dauert das verdächtig lange. Also wieder rein in die Wirtschaft und was muss man sehen: Sitzen da und schlürfen in aller Seelenruhe Cappuccino. Aber so nicht mit dem Trip Captain – weiter geht’s und zwar pronto.
Vor uns zwei getarnte Insignia auf der Fahrt über den Brenner.
Auf der Fahrt gen Süden schlagen sich alle Fahrzeuge wacker. Trotzdem, auf der Autobahn passiert’s dann: Ein Auto meldet über TPMS (Tire Pressure Monitoring System) niedrigen Reifenluftruck an einem Reifen. Überprüfung an der Tankstelle: TPMS arbeitet exakt, der Reifen hat tatsächlich etwas Unterdruck, also Luft nachfüllen. Doch nach einigen Kilometern wieder die Meldung des TPMS. Über Funk meldet der „Trip Captain“: Unplanmäßiger Stopp an der nächsten Raststätte, Reifenwechsel. Die Jungs von der mobilen Werkstatt schaffen es in wenigen Minuten, es kann weitergehen. Am Abend sind wir trotzdem noch pünktlich da – natürlich immer unter Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Auf dem Brenner überholen wir einige Lkw die Corsa geladen haben. Schön, wenn man ein erfolgreiches Produkt auf dem Weg zum Kunden sieht.
Kurzer Videoclip von unserer 100-Prozent-Fahrt Richtung Süden.
Mit acht Erprobungs-Insignia geht es auf große “100-Prozent-Fahrt”, die letzte große Tour mit Teilnehmern aus allen Fachbereichen, um das Zusammenspiel aller Systeme zu testen. Dazu vier Begleitfahrzeuge und eine rollende Werkstatt.
Verschiedene Motoren werden auf unterschiedlichen Streckenprofilen erprobt: Autobahn, Stadtdurchfahrten, schnelle Landstraßen, kurvige Bergstraßen, hoch bis auf 1700 Meter. Der Fahrplan ist exakt einzuhalten, bloß kein unnötiger Stopp! Abends bei Ankunft müssen schließlich auch noch die Beurteilungen aller Teilnehmer (an die 30!) zusammengetragen und ausgewertet werden. Und am nächsten Tag geht’s früh morgens weiter, kreuz und quer durch die Dolomiten.
Ich bin jetzt seit 1990 regelmäßig bei den Wintertests in Arjeplog dabei und weiß aus Erfahrung: Nimm nie den letzten Flug zum und vom Polarkreis. Sonst werden prompt die Launen der Natur und die Grenzen der Technik spürbar.
Wie jetzt wieder geschehen. Laut Plan ging’s von Arvidsjaur über Lycksele und Stockholm nach Frankfurt. Aber schon in Lycksele machte uns direkt nach der Landung heftiger Schneefall einen Strich durch die Rechnung. Keine Chance für die kleine Räummannschaft. Nach zwei Stunden und zweimal Enteisen ging es doch noch los. Zu spät – in Stockholm sahen wir aus unserer kleinen Avro, wie „unsere“ LH-Maschine, die letzte nach Frankfurt, vom Gate ablegte. Rückflug vertagt.
Seit Frühjahr 2007 sind wir für die „Drive Quality“-Bewertungen mit getarnten Versuchsträgern unterwegs. Hier die mir dabei am häufigsten gestellte Frage: „Was ist das für ein Modell?“ Wenn wir dann mit einem bedauernden Schulterzucken antworten, raten die Menschen munter drauflos.
Einer allerdings wusste gleich Bescheid – ein Motorradpolizist in der Nähe von Mailand. Vom anderen Ende des Rastplatzes, unserer Fahrerwechsel-Station, winkte der uns heran. Langsam rollten wir auf die Patrouille zu, mein Kollege suchte nervös nach den Fahrzeugpapieren und ich grüßte recht freundlich durch’s offene Fenster. „Buona sera“, brummte der Carabiniere, „questa è la nuova Vectra, eh!?“ – Bingo, Signore.
Unser Begleitfahrzeug, ein Serien-Astra, blieb tapfer an unseren Allrad-Insignia dran – solange wir mit Halbgas fuhren. Dennoch: Respekt!
Auf der Zuchteisfläche von Arjeplog wollten wir die finalen OKs für die Schlupfregelsysteme ABS, Traction Control und ESP einfahren. Das Ganze auf den allerletzten Drücker, kurz vor Beginn der Tauphase.
Dabei durfte nix schiefgehen. Schon ein NOK (nicht OK) heißt in letzter Konsequenz: Verwachst, warten auf den nächsten Winter in Neuseeland. Damit wäre es aber auch Essig mit dem Produktionsanlauf und dem geplanten Marktstart gewesen. Trotz der satten Minusgrade morgens um 4 Uhr kamen wir deshalb gehörig ins Schwitzen.
Aber toi, toi, toi: Die von unseren Entwicklungspartnern, TRW aus Koblenz, präparierte Volumenversion, der Zwei-Liter-Diesel mit Frontantrieb, und der Allrad-V6-Turbobenziner bestanden die Endabnahme mit Bravour. Tatsächlich war nicht eine einzige Nachkalibrierung nötig.